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Wissenschaft für alle - "Luftkurort Berchtesgaden?" Wir zählen was, was Du nicht siehst."

Prof. Dr. Claudia Kugelmann und Dipl.-Ing. Andreas Jaksch, GRIMM Aerosol Technik

„Luftkurort Berchtesgaden? Wir zählen was, was Du nicht siehst.“

Am 28. Januar 2015 um 18 Uhr fand im Physiksaal des Schülerforschungszentrums Berchtesgaden eine weitere Veranstaltung der Serie „Wissenschaft für alle“ statt. In Zusammenarbeit mit der Aerosol Akademie (e.V.) aus Ainring wurde die Herausforderung „Feinstaub als Umwelt- und Gesundheitsbelastung“ in den Fokus der Betrachtung gerückt. Hierzu referierte Dipl.-Ing. Andreas Jaksch vom Messtechnikhersteller GRIMM Aerosol Technik (Ainring) über die physikalischen und chemischen Grundlagen der Feinstaubentstehung und der Verhaltensweisen von kleinen Partikeln, deren Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen und die technischen Möglichkeiten zur Messung und Überwachung von Feinstaub.

Das interessierte Publikum (ca. 20-25 Menschen unterschiedlichsten Alters) erfuhr dabei mehr über die Quellen natürlicher und künstlicher Feinstaubentstehung, die als primäre Partikel durch Emission in die Luft gelangen (z.B. Hausbrand, Kraftfahrzeuge) als sekundäre Partikel durch Reaktion von Gasen in der Luft entstehen können, zum Teil durch Regen oder natürliche Sedimentation wieder abgeschieden werden oder als Immission durch die Atemwege in den menschlichen Körper gelangen. Hierbei wurde auf die unterschiedlichen Größen (vom Mikrometer bis in den Nanometerbereich) hingewiesen und der damit verbundenen Tiefe, in die Feinstaubpartikeln entsprechend in den menschlichen Körper gelangen können und wie sie dort vom Organismus wieder ausgeschieden werden können.

Herr Jaksch erläuterte die vorhandenen Grenzwerte, deren Verbindlichkeit sowie die Konsequenzen bei Überschreitungen (Reinhaltungspläne) und dabei vor allem auch, dass Messungen, je nach Methodik und Standort, unterschiedliche Ergebnisse zu Tage fördern. Er unterstrich dabei nicht nur die Notwendigkeit von flächendeckenden Messnetzen, die auch Ferntransport von Feinstaub über weite Strecken hinweg dokumentieren, also die Quellen auch über hunderte von Kilometern nachweisen, sondern vor allem auch hinsichtlich ihrer zeitlichen Auflösung.

Die von ihm vorgestellte Messtechnik der Fa. GRIMM basiert auf einer durch Lasertechnik mögliche optische Zählmethode von feinen Partikeln, aus der nicht nur eine Feinstaubmassenbelastung bestimmt werden kann, sondern vor allem auch der genaue Zeitpunkt der Belastungsspitzen dargestellt wird. Im Gegensatz zu gravimetrischen Messmethoden, die mittels Abwiegen Feinstaubmassen, tageweise oder wochenweise bestimmen, sind hier sogenannte Events im Laufe eines Tages mit anderen Daten (Wetterlage, bestimmbaren Ereignissen wie Berufsverkehr, Nachtruhe etc.) gut abzugleichen und somit wieder leichter Maßnahmen dagegen zu finden.

Anwesend bei der Veranstaltung war auch Frau Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst, die mit aktuellen Messdaten zur Kurortzertifizierung etwas über die Luftqualität von Berchtesgaden sagen konnte und ebenfalls die Komplexität von Datenqualität und Datenerhebung nochmals unterstrich, was eine genaue Bestimmung und Zertifizierung von Luftqualität nur mit wissenschaftlicher Kenntnis erlaubt. Die Diskussion im Anschluss brachte auch einige Fragen zur Luftqualität in Innenräumen hervor und im Rahmen einer kleinen Messvorführung von Herrn Jaksch wurde schnell deutlich, dass der angenehme Geruch einer Kerze oder der des Holzofens, nicht ohne ein immenses Anwachsen der Partikelkonzentration in der Luft zu haben ist. Nach Ende von Vortrag und Diskussion waren die Feinstaubprobleme noch nicht gelöst, aber zumindest bestand Klarheit darin, dass hinsichtlich von Feinstaub und sogenanntem Ultra-Feinstaub (Nanopartikel) weder Nase noch Augen zu trauen ist, sondern nur HighTech-Messgeräten und selbst diese stoßen immer wieder an ihre Grenzen. Marcus Hank

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